Zur Geschichte der Kronacher Synagoge 
 
unter besonderer Berücksichtigung der profanen Nutzung seit 1938 
und der Restaurierung zur Gedenkstätte mit Veranstaltungsraum im Jahr 2002.


 

Kronach im nördlichen Oberfranken, wo sich Bayern und Thüringen treffen, und nur eine gute Autostunde von Sachsen und CZ-Böhmen entfernt, gehörte von 1123 bis 1802 zum Hochstift Bamberg, war also dem Fürstbischof untertan. Im Jahr 1472 wurde in dieser Stadt, im amtlichen Latein als „Urbs Crana“ bezeichnet, der vielleicht berühmteste deutsche Renaissance-Maler geboren, der sich später im Dienst des sächsischen Kurfürsten am Hof zu Wittenberg nach seiner Geburtsstadt „Lucas Cranach“ (d. Ä.) nannte.

 

 

 

Die Bamberger Territorialherren ließen hier eine mächtige Festung zur Sicherung ihrer Nordgrenze erbauen, die während des Dreißig­jährigen Krieges, im Zusammenwirken mit der befestigten Stadt, Angriffen der protestantisch-schwedischen Truppen erfolgreich trotzte. Entsprechend den Gepflogenheiten der damaligen Landes- und Grundherren nahmen auch die Bamberger Bischöfe seit dem Mittelalter, mit Unterbre­chungen, sogenannte “Schutzjuden“ auf, die für ihr Aufenthaltsrecht hohe Abgaben zu zahlen hatten. Ein Chronist berichtet, dass in Kronach, während des sogenannten “Rindfleisch-Pogroms“ im Jahr 1298, zehn Juden erschlagen wurden. In unregelmäßigen Abständen wurden die Juden für längere Zeitabschnitte aus der Stadt verbannt und wieder zugelassen, bis Kronach 1802 an das Königreich Bayern fiel und sich endlich freiheitlichere Verhältnisse anbahnten. Aber erst mit der Gründung des Deutschen Reiches 1871 fielen die letzten Einschränkungen und Diskriminierungen.

 

Die Judengasse in der Oberen Stadt legt heute noch Zeugnis ab für die Anwesenheit jüdischer Mitbürger, die ihre erste nachweisbare “Schul“ 1682 in einem erst 1972 abgebrochenen Geschäftshaus am Marktplatz einrichteten. Seit 1711 befand sich die jüdische Bet- und Lehrstube in einem stattlichen, allerdings sanierungsbedürftigen  Privathaus in der Amtsgerichtsstraße 25. Die gebräuchliche Bezeichnung "Alte Synagoge" ist deshalb falsch, weil es keine eigene jüdische Gemeinde und daher auch keine offizielle Synagoge in der Stadt gab. Die Kronacher Juden gehörten zur jüdischen Landgemeinde im benachbarten Friesen. Als diese sich allmählich auflöste, weil die Landjuden nach Gewährung der Freizügigkeit ihre Chancen in den Städten sahen, stieg die Anzahl der jüdischen Mitbürger in Kronach erheblich an, so dass nach 1880 hier eine selbstständige Kultusgemeinde gegründet werden konnte, die alsbald mit der Planung und dem Bau einer Synagoge begann. 

Die so genannte "Alte Synagoge", Amtsgerichtsstraße 25

Im Haus des jüdischen Arztes Dr. Leonhard Seeligsberg befand sich im 19. Jh. die Betstube der Kronacher Juden

 

 

Als Standort kam die sog. "Untere Stadt" in Betracht, wo im Rahmen der Religionsfreiheit im Jahr 1861 bereits die evangelische Kirche erbaut worden war. Wie diese wurde der Bau in Kronacher Sandstein ausgeführt, dort im neugotischen und da im romanischen Stil und jeweils mit einer polygonalen Apsis versehen. Am 5. Oktober 1883 fand die feierliche Einweihung der Synagoge unter Teilnahme von Repräsentanten der Regierung, der Stadt, der katholischen und evangelischen Geistlichkeit sowie vieler BürgerInnen statt.

Grundriss der Synagoge für die israelitische Kultusgemeinde Kronach

 

Diese Eintracht und Harmonie sollte indes nicht lange währen, denn schon in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts schlug in Deutschland die Stimmung gegen die Juden um. Adolf Hitler und seine Parteigenossen nützten diese Chance, hetzten die Volksseele auf und kamen im Jahr 1933 “an die Macht“. Viele Deutsche jüdischen Glaubens und auch Christen jüdischer Herkunft erkannten die drohende Gefahr für Leib und Leben und emigrierten ins Ausland, soweit ihnen dies möglich war. Hierdurch ging auch die Zahl der Kronacher Juden erheblich zurück, so dass die Kultusgemeinde ihren Gottesdienst nur noch bis 1936 aufrechterhalten konnte. Deren Vorsitzender, Felix Strauß, erahnte die drohende Gefahr für das Synagogengebäude und verkaufte es am 4. Februar 1938 für 6000 Reichsmark an die Stadt Kronach. Dadurch wurde das Gebäude vor einer Zerstörung während der “Reichspogromnacht“ bewahrt und blieb auf diese Weise der Nachwelt erhalten. Die Inneneinrichtung und die Kultgegenstände wurden nach Bamberg gebracht, wo sie in der Reichspogromnacht verbrannten.

Innenansicht der Synagoge mit Thoraschrein und Almemor (=Vorlesepult).

Die obere Inschrift lautet: „Wie ehrfurchtgebietend ist dieser Ort, ist er doch (nichts andres als) das Haus Gottes, und das ist das Tor zum Himmel.“

Die Inschrift über der heiligen Lade mahnt: „Wisse, vor wem du stehst.“  

 

 

Das Kronacher Rote Kreuz baute nach 1938 das Synagogengebäude zum Sanitätsdepot um: Die Eingangstreppe wurde entfernt, der Fußboden tiefer gelegt und das Eingangsportal verbreitert, um Fahrzeuge einstellen und warten zu können. Dazu gehörte auch der Einbau einer Abschmiergrube und das Fliesen der Wände. Die Apsis des Gotteshauses, wo sich der Tora­schrein und das Lesepult befanden, wurde mit einem Verschlag abgetrennt, um dort Öltanks u.ä. zu lagern. Die größte Veränderung erfuhr der ehemalige Sakralraum durch die Einziehung einer hölzernen Zwischendecke, um damit ein Obergeschoss mit Übungsraum, Büros und Lagerkammern zu schaffen.

 

Nachdem das Rote Kreuz 1972 einen Neubau bezog, wurde das Gebäude von der Stadt nochmals als Lagerhalle verpachtet, wodurch es wahrschein­lich vor einem Verfall bewahrt wurde. Im Jahr 1988, als der Geschäftsmann das Lager räumte, stellte die Stadtverwaltung Überlegungen an, was künftig mit dem Gebäude geschehen solle. Hierbei musste man auch die Chancen möglicher Fördermittel berücksichtigen; z.B. war eine reine Gedenkstätte davon ausgeschlossen. Der Kronacher Kunstverein interessierte sich für eine neue Galerie mit Kabarettbühne. Auch von einem “Schaufenster der Region“ war die Rede. Einige sozial gesinnte Mitbürger regten die Einrichtung einer Wärmestube mit Suppenküche an und die geschichtslos Unbekümmerten plädierten für den Abriss des Gebäudes zu Gunsten eines Innenstadtparkplatzes mit Grünfläche und Gedenkstein. Das war naheliegend, nachdem die Förderstellen dem Synagogengebäude keine überörtliche und kunsthistorische Bedeutung beimaßen.

 

Am 25. Februar 1988 trafen sich in der Kreisbibliothek Kronach erstmals diejenigen Kronacherinnen und Kronacher, die an einer Erhaltung und sinnvollen Nutzung der Synagoge interessiert waren. Der amtierende Bürgermeister versicherte, dass die Stadt Kronach als Eigentümerin die Restaurierung des Synagogengebäudes vornehmen würde.
Nachdem lange Zeit aber nichts geschah, gründeten die Synagogenbefürworter schließlich am 15. Mai 1992 im „Turnerheim“ den “Aktionskreis Kronacher Synagoge e.V.“. Fast gleichzeitig gab das Katholische Bildungswerk Kronach eine Broschüre von Christoph Zeckai heraus mit dem Titel: “Ein Stück Matzen, Nachbarin!“ mit Erinnerungen an jüdische Familien in Kronach und deren Schicksale, verbunden mit einem geschichtlichen Rückblick und Erläuterungen zur hiesigen Synagoge.

 

Die Arbeit des neuen Aktionskreises stieß bei vielen Menschen auf Unverständnis. Man räumte den Zielen des Vereins kaum realistische Chancen ein. Eine Finanzierungs- bzw. Fördermöglichkeit schien ausgeschlossen, aber dennoch ließen sich die Engagierten nicht entmutigen und ergriffen vielfältige Maßnahmen, um die  Bevölkerung über das Judentum zu informieren, um auf das leerstehende Synagogengebäude aufmerksam zu machen, um an jüdische Feiertage zu erinnern und um das Gedenken an unsere einstigen Mitbürgerinnen und Mitbürger jüdischen Glaubens wach zu halten. Die Veranstaltungen fanden, da die Synagoge nicht öffentlich zugänglich war, davor oder in anderen Räumlichkeiten statt. Diese Situation begann sich zu ändern, als uns der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Ignatz Bubis, auf Einladung des Aktionskreises am 15. Juli 1994 besuchte, nachdem er an diesem Tag mit Schülern des Frankenwald-Gymnasiums diskutierte. In aller Eile ließ die Stadtverwaltung vor der Synagoge anstelle von drei PKW-Abstellflächen einen kleinen umfriedeten Vorplatz entstehen. Außer guten Worten und Wünschen brachte Ignatz Bubis dem Aktionskreis zwar kein Erfolgsrezept, jedoch einiges Renommee in der Öffentlichkeit.

Besuch des Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Ignatz Bubis, am 15. Juli 1994

Foto vor dem Eingang der Synagoge:
von links. Kronachs 1. Bürgermeister Manfred Raum, die Vorstandsmitglieder Susanne Gerstner, Peter Steinhäußer und Willi Zaich, Ignatz Bubis, 1. Vorsitzende Odette Eisenträger-Sarter, Landrat und späterer Staatsminister Dr. Werner Schnappauf

 

Derart ermutigt drängte der Aktionskreis weiter auf eine Instandsetzung und würdige Nutzung der Synagoge, immer öfters öffnete die Stadt das Gebäude für die verschiedensten Veranstaltungen, die man in einem solchen dumpfen Interieur überhaupt abhalten konnte, wie “große und kleine“ Kunst, sozialkritische Ausstellungen und im Jahr 1997 eine Rauminstallation, die eine junge Künstlerin in Erinnerung an ihre baltisch-jüdische Großmutter mit einem eindrucksvollen Text zugänglich machte.
Eine weitere Rauminstallation gestaltete der Kunststudent S. Decker, Meisterklasse Prof. Balkenhol, München.

Rauminstallation "Auf den Lippen Schnee" von S. Decker.

Auf dem Betonboden sind Abschmiergrube, Ölabscheider und an der Wand Öl- und Wasserflecken zu erkennen.
Die galgenartige Balkenkonstruktion trägt die Zwischendecke. Die hintere Plattenwand, vor der die 7 Kerzen der Menora brennen, verbirgt die zum Schmutzraum verkommene Apsis mit dem einst heiligen Torabereich.

 

Im Sommer 1998 gelang es den Vereinsvorsitzenden schließlich, den Stadtrat zu bewegen, einer Verpachtung des Gebäudes an den Aktionskreis zu einem Jahreszins von DM 300,-- zuzustimmen. Damit erhielt der Verein endlich die Schlüsselgewalt und die Gestaltungs­freiheit, die er auch zu nutzen wusste. Das Datum erwies sich als symbol­trächtig, da die Stadt genau 60 Jahre zuvor Hausherrin geworden war. Zur neuen Würdigung des alten Gotteshauses stellte ein Vereinsmitglied eine große, handgeschmiedete Menora leihweise zur Verfügung. Seither wird der siebenarmige Leuchter, der älteste Hinweis auf die jüdische Religion, immer dann angezündet, wenn die Synagoge geöffnet ist.

 

Im Herbst 1998 konzentrierte sich die Arbeit des Aktionskreises auf die 60. Wiederkehr der Reichspogromnacht am 9. November, dem Beginn der systematischen Judenvernichtung in Deutschland und in den besetzten europäischen Staaten. Nach einem ökumenischen Gottesdienst in der Christuskirche zogen die Teilnehmer in einer Lichterprozession zur Synagoge, wo eine offizielle Gedenkveranstaltung mit Bürgermeister Manfred Raum stattfand. Wenige Tage später sang eine jüdische Sopranistin, die bereits dreimal in Kronach aufgetreten war, im historischen Rathaus­saal Lieder unter dem Titel: “Kurt Weill im Exil“. Verschiedene Vorträge in der Volkshochschule und eine Meditationstrilogie in der evangelischen Kirche begleiteten das Gedenken an das schreckliche Ereignis.

 

Der Vorstand und andere aktive Vereinsmitglieder fassten jetzt den kühnen Entschluss, notwendige bauliche Maßnahmen in Eigenregie voranzutreiben. Das städtische Jugendreferat hatte Verbindung zum “Internationalen Bauorden“ hergestellt, der seine Aufgabe darin sieht, auf staatenüberschreitender Basis Jugendliche für einen gemein­nützigen Ferien-Arbeitseinsatz zu vermitteln. Dem Antrag unseres Aktionskreises wurde entsprochen und am 2. August 1999 trafen die freiwilligen Bauhelfer in Kronach ein: Ibai, Anartz und Oier aus dem spanischen Baskenland, Thomas aus Karlsruhe, Marian und Peter aus der Slowakei und als einziges Mädchen Beata aus der tschechischen Republik. Die jungen Leute arbeiteten drei Wochen lang zusammen mit einigen Freiwilligen aus den Reihen der Vereinsmitglieder in der Synagoge. Dabei wurde Unglaub­liches geleistet, obwohl der Spaß nicht zu kurz kam. Es herrschte eine frohe, freundschaftliche Atmosphäre, zumal sich einige Leute sehr um die Gäste kümmerten, für die Zwischenmahlzeiten sorgten, die Wäsche wuschen, wo nötig neue Kleider “organisierten“, zum Abendessen einluden und für weitere Annehmlichkeiten sorgten. Die Unterkunft und Verpflegung wurden vom städtischen Jugendreferat übernommen, das zusammen mit Mitgliedern des Aktionskreises und mit Unterstützung von Sponsoren auch ein interessantes und informatives Freizeit- und Wochenendprogramm gestaltete.

 

 

 

 

Neben den Lohnkosten zum Nulltarif konnte auch der Materialeinsatz sehr günstig gestaltet werden: Die Werkzeuge, Gerüste und Bauutensilien stellte eine Baufirma kostenlos zur Verfügung, der Baustoffhändler räumte einen 50 %igen Nachlass ein und die Containerfirma verzichtete auf eine Rechnung, als sie das Ergebnis der Arbeiten sah, aber auch weitere Geschäfts- und Privatleute sowie die drei Kronacher Serviceclubs haben sich der jungen Leute angenommen.

 

Wie sah die Bilanz der durchgeführten Arbeiten aus?

Alle Holzverschläge und Einbauten wurden entfernt, die Wandfliesen abgeklopft, die  Zwischendecke demontiert, der ölverseuchte Putz in der Apsis abgeschlagen, zwei nachträglich aufgemauerte Heizungskamine abgetragen, und schließlich die zugemauerte Toranische entdeckt und freigelegt. Im Außenbereich wurde rings um die Sandsteinfundamente per Handschachtung ein Graben ausgehoben und Drainagerohre verlegt, Leistensteine gesetzt und mit Filterkies verfüllt.

 

Der Abschied nach drei Wochen fiel sehr schwer und es floss so manche Träne.

 

Nachdem der Landeskonservator sah, was geleistet worden war, zeigte er sich sehr beeindruckt, mahnte aber auch die zuvor nicht eingeholte Zustimmung des Landesamtes für Denkmalpflege an. Er sagte uns dennoch die 90 %ige Bezuschussung eines Gutachtens für die restauratorische Bestandssicherung bezüglich der noch fragmenthaft erkennbaren Wandbemalung zu. Im Mai 2000 konnte der Befundbericht dann vorgelegt werden.

 

Neben den Bauaktivitäten hat der Vorstand für 1999, 2000 und 2001 ein Jahresprogramm für seine Mitglieder und alle Interessenten erarbeitet und durchgeführt, das aus Vorträgen, Konzerten, Exkursionen, Ausstellungen und Gedenkveranstaltungen bestand.

 

In der zweiten Jahreshälfte 2000 versprach der Stadtkämmerer, sich um eine Gesamt­finanzierung unter Ausschöpfung aller möglichen Fördermittel zu kümmern. Vorweg und einher gingen die Gespräche und Vorplanungen mit einem hiesigen Architekturbüro, das anerkannte Kompetenz für die Restaurierung historischer Gebäude hat und das Möglichkeiten sah, die zehn Jahre zuvor geschätzten Kosten deutlich zu unterschreiten. Bei dem Finanzierungsgespräch vom 11.01.01 im Haus der Regierung von Oberfranken mit verschiedenen Zuschussgebern erhielt der Stadtkämmerer “grünes Licht“ für seinen exzellent ausgearbeiteten und recherchierten Finanzierungsplan. Dieser beinhaltet auch eine wesentliche finanzielle Beteiligung unseres Aktionskreises, die auf Grund von Mitgliederbeiträgen, Spenden, Flohmarkterlösen, sonstigen Aktivitäten und einer klugen, sparsamen Wirtschaftsweise erbracht werden. Darüber hinaus hat der Aktionskreis auch für die Innenausstattung, Bestuhlung und die Kücheneinrichtung aufkommen müssen, da diese nicht förderungsfähig sind und die Stadt Kronach durch Landesgartenschau und 1000-Jahr-Feier haushaltsmäßig stark belastet ist.

 

 

Die behördliche Realisierung der Finanzierungszusagen, verbunden mit einigen Verschiebungen, zog sich wider Erwarten über das ganze Jahr 2001 hin, so dass die Ausschreibung und Auftragsvergabe erst sehr spät erfolgen konnte.

Am 7. Januar 2002 wurde schließlich mit den Restaurierungsarbeiten begonnen. Fast alle Maßnahmen wurden zwischen der Stadt Kronach als Bauherrin, dem Architekturbüro und dem Aktionskreis abgestimmt, was nicht immer einfach war. Alle waren sich einig, so wenig wie möglich von der ursprünglichen Architektur abzuweichen, aber auch nichts ergänzend hinzuzufügen, wenn es nicht mehr vorhanden war. Das plumpe Garagentor, das aus der früheren Umnutzung stammte, wurde durch ein modernes Portal ersetzt, das an die ursprünglichen Proportionen angelehnt ist. Eine Rekonstruktion der bauzeitlichen Eingangstreppe hätte einem behindertengerechten Zugang widersprochen. Zeitgemäße Toiletten wurden eingebaut und eine kleine Kaffee- und Spülküche unter der renovierten Treppe zur Frauenempore. Der Windfang wurde in seiner originalen Dimension wieder errichtet; allerdings mit einer voll verglasten Schiebetür, um von draußen den Blick zum Toraschrein freizugeben. Dieser bleibt, nach langer, intensiver Diskussion, in seiner Zerstörtheit erhalten, ebenso unbehandelte Abschnitte, welche die Wandgestaltung aus der Bauzeit, einer späteren Renovierung und den grauen Anstrich der Sanitätskolonne erkennen lassen. Die neuen Fenster in alter Form sind klar, nur die Glasflächen in der straßenseitigen Fassade wurden farbig gefasst, als Geschenk des Rotary Clubs und von Willi Zaich an das Gemeinwesen zur 1000-Jahr-Feier der Stadt in 2003.

Die Kronacher Synagoge, 1883 erbaut, seit 2002 eine Stätte der Kultur, der Begegnung und des Gedenkens.

 

Zu erwähnen sind auch weitere Sponsoren: Bildhauer Heinrich Schreiber hat eine nachträglich aus der Sandsteinfassade herausgebrochene Fensteröffnung wieder fachgerecht geschlossen, Hermann Wank hat mit seinem Betrieb die Treppe zur Empore neu errichtet und Markus Schleicher übernahm mit seiner Maler GmbH die Konservierung der Reste der alten Wandbemalung. Die Kolpingfamilie finanzierte ein Fenster, die Frauenliste, die Sparkasse samt Stiftung, die Raiffeisen-Volksbank mit der R+V-Versicherung sowie viele private SpenderInnen stellten größere und kleinere Beträge zur Verfügung. Manche am Bau beteiligten Handwerker verzichteten auf einen Teil des Rechnungsbetrags.

Die Apsis der Kronacher Synagoge mit den Resten des ehemaligen Thoraschreins.

 

 

Am 4. Oktober 2002, fast auf den Tag genau 119 Jahre nach der ersten Weihe, konnte das restaurierte Gebäude mit einem Festakt unter Teilnahme des Regierungspräsidenten, des Vorsitzenden und des Kantors der Israelitischen Kultusgemeinde Bamberg, der evangelischen Dekanin, des katholischen Regionaldekans, des Landrats, des Bürgermeisters und vieler weiterer Ehrengäste wiedereröffnet und erneut geweiht werden; in christlich ökumenischer Form und mit den Segensworten des jüdischen Kantors.

von links: Kantor Arieh Rudolph, Regierungspräsident Hans Angerer, 2. Vorsitzende des AK Synagoge, Gisela Zaich, 1. Vorsitzender der israelitischen Kultusgemeinde Bamberg, Heiner Olmer, Geschäftsführer des AK Synagoge, Willi Zaich, 1. Vorsitzende des AK Synagoge, Odette Eisenträger-Sarter, Landrat Oswald Marr, Sparkassendirektor Dr. Scherr, 1. Bürgermeister Manfred Raum

 

Leider kann die Synagoge ihrer ursprünglichen Bestimmung nicht mehr dienen, weil es keine jüdischen Mitbürger mehr gibt, die sie gottesdienstlich nutzen könnten. So bleibt nur, das steinerne Zeugnis ihrer seit dem 13. Jahrhundert nachgewiesenen Existenz in unserer Stadt zu erhalten. Der Aktionskreis Synagoge möchte im Hinblick auf die Verfolgung und die Vernichtung der MitbürgerInnen jüdischen Glaubens Versöhnungsarbeit leisten und jüdische Traditionen in unserer Stadt wach halten. 

Unsinnig ist hingegen die Meinung, dass die Erhaltung der Synagoge und die Beschäftigung mit dem Judentum gleichzusetzen sei mit einer kritiklosen Einstellung zum modernen Staat Israel. Religion und Politik müssen auseinandergehalten werden, auch im Christentum und beim Islam. Der Aktionskreis handelt in dem Bewusstsein, dass der Gott der hebräischen und der christlichen Bibel eins und unteilbar ist und dass die Synagoge genau wie die Kirchen unserer Stadt, diesem Gott geweiht ist. Schließlich hat die Synagoge auch eine besondere Beziehung zum Christentum, denn Jesus, der Rabbi Jeschua, legte die Schrift, also das Alte oder Erste Testament, in den Synagogen aus, wie man an verschiedenen Stellen des Neuen Testaments lesen kann.

von links: Landrat Oswald Marr, Sparkassendirektor Dr. Scherr, Regierungspräsident Hans Angerer, Dr. Robert Pick vom Landesamt für Denkmalpflege, . Bürgermeister Manfred Raum, MdL Heinz Hausmann

  (Willi Zaich)

Glasfenster des Künstlers Johannes Schreiber, Bamberg

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